Projekt Storchennest

May 31, 2016

Projekt Storchennest

27. Mai 2016

Die Kinder, die am Projekt „Storchennest“ teilgenommen haben, sangen gemeinsam „Wir sind alle Kinder dieser Welt“. Foto: Catherine Hoffmann​

 

 

Das Projekt „Storchennest“ am Eupener Robert-Schuman-Institut (RSI) hat eine erfolgreiche Premiere hinter sich. Bis zu 15 Erwachsene folgten mittwochsnachmittags einem Sprachkurs, während gleichzeitig ihre Kinder von RSI-Schülern betreut wurden. Eine Symbiose, die Schule machen könnte. Das GrenzEcho sprach über das Projekt „Storchennest“ mit der Verantwortlichen Doris Hermann.

 

 

 

 

Frau Hermann, warum eigentlich der Projektname „Storchennest“?

Das Projekt heißt „Storchennest“, weil Störche Zugvögel sind, die sich an einem Ort niederlassen, wo es für sie und ihre Nachkommen gute Bedingungen gibt. Wenn sie sich an einem Ort wohlfühlen, kehren sie an diesen Ort zurück. Im Rahmen des Projektes stehen die Störche symbolisch für die Zuwanderer.

Wie ist das Projekt entstanden?

Wir wollten unseren Schülern in der Abteilung Betreuung für Kindergemeinschaften die Möglichkeit geben, ihr theoretisches Wissen in die Praxis mit Kindern umzusetzen. Bisher war die Vorgehensweise so, dass der Unterricht erteilt wurde, und die Praxis wurde dann unter den Jugendlichen weiter vermittelt, d.h. die Jugendlichen „spielten“ die Kinder, machten die Aktivitäten mit, die z.B. zwei Schüler vorbereitet hatten. Wir haben uns dann gedacht, dass es eigentlich sinnvoller ist, das mit Kindern umsetzen zu können.

Und wie kam es dazu, dass auch die Integration von Zuwanderern Teil des Projekts wurde?

Da wir sehr viele Schüler unterrichten, die aus verschiedenen Herkunftsländern zu uns gekommen sind, haben wir uns überlegt, ob es nicht möglich wäre, das Projekt so zu gestalten, dass man auch die Integration Zugezogener einbaut. Deshalb haben wir uns entschieden, mit Oikos und mit dem Bund der Familien zu kooperieren.

Wenn die Schüler die Kinderanimation übernommen haben, wer erteilte dann den Sprachkurs?

Auch wir als Schule, denn wir haben nicht nur die Tagesschule, sondern auch ein angegliedertes Institut für schulische Weiterbildung, sprich Abendschule. Im Rahmen dieser Möglichkeiten, die wir über die Abendschule haben, konnten wir die Sprachkurse für die Leute anbieten, die ihre Kinder zur Kinderanimation brachten und zeitgleich Deutsch lernen wollten.

Wie sah das Publikum aus?

Wir hatten ein Publikum aus zwölf verschiedenen Ländern: Syrien, Irak, Armenien, Türkei, Thailand, Tschechien, Kirgistan, Russland, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland und Belgien.

 

Nahmen auch Männer an dem Projekt teil?

In der Sprachförderung waren drei Männer. Es handelte sich nicht unbedingt um Familienväter. Es waren darunter auch Geschwister von kleineren Kindern. Zum Beispiel hatten wir einen jungen Mann, der ein Geschwisterkind in der Betreuung hatte und so in den Genuss der Sprachförderung kam. Anfangs haben wir auch versucht, Bewohner der Asylbewerberzentren in Eupen und Elsenborn anzuziehen. Das Problem dabei war aber, dass diese Leute nicht unbedingt über Monate hinweg hier bleiben.

Wie viele Teilnehmer hatte das „Storchennest“ denn?

Wir hatten bisher zwischen fünf und 15 Teilnehmer bei den Erwachsenen, die regelmäßig kamen. Bei den Kindern sind es in der Regel um die zwanzig Kinder.

Wie wurde der Kontakt zwischen den hiesigen Eltern und den Eltern, die zugewandert sind, gefördert?

Das war ein bisschen der Schwachpunkt, da müssen wir nächstes Jahr, falls das Projekt eine Fortsetzung findet, noch ein bisschen dran arbeiten. Die hiesigen Eltern haben nur punktuellen Kontakt zu den Zugezogenen – meist über die Kinder. In der Sprachförderung kamen einige einheimsiche Eltern und haben mit den Migranten Gesellschaftsspiele gespielt, etwas zu Ostern gebastelt, gebacken usw. Aber eine intensivere Begegnung der Kulturen muss man herbeiführen, indem man an unterschiedlichen Orten die Leute zusammenbringt. Zum Beispiel indem man sagt, dass wir nicht hier in der Schule kochen, sondern bei einer Frau aus Eupen. Da gehen wir backen, oder eine andere Frau aus Eynatten macht für uns eine Rundführung durchs Dorf. Da müssen wir noch dran arbeiten

Wird es im kommenden Schuljahr erneut ein „Storchennest“ am RSI geben?

Das hängt vor allen Dingen davon ab, ob wir die Finanzierung durch die Deuschsprachige Gemeinschaft sichern können. Von der pädagogischen Inspektion her haben wir grünes Licht. Sie hat signalisiert, dass sie den Mehrwert, den es unseren Schülern bringt, sehr deutlich zu schätzen weiß und an einer Fortsetzung interessiert ist. Ich bin zuversichtlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. (ch)

 

 

 

 

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